Vor zwei Jahren war „digitale Souveränität" noch ein Compliance-Reizwort. Heute ist es Business-Strategie. Wer 2026 seine IT-Landschaft neu aufstellt, kommt an der Frage nicht mehr vorbei: Wie unabhängig bin ich von einzelnen Anbietern, wo liegen meine Daten, was passiert, wenn morgen ein Datentransfer-Abkommen fällt? Ein Überblick — und ein Blick auf das, was in Schleswig-Holstein gerade konkret passiert.
Was digitale Souveränität eigentlich bedeutet
Digitale Souveränität heißt: Sie behalten die Kontrolle darüber, wo Ihre Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und wie Sie im Ernstfall zu einem anderen Anbieter wechseln. Es geht nicht darum, US-Anbieter grundsätzlich zu meiden. Sondern darum, keine Abhängigkeiten aufzubauen, die Sie im Krisenfall handlungsunfähig machen: von einem Anbieter, von einem Rechtsraum, von einer Technologie.
Drei Entwicklungen, die 2026 den Druck erhöhen
1. Das Data Privacy Framework wackelt wieder. Das EU-US-Datenschutzabkommen aus 2023 wird — wie schon seine Vorgänger Safe Harbor und Privacy Shield — juristisch angefochten. Noch gilt es, aber die Rechtsunsicherheit ist zurück: Wer heute personenbezogene Daten in US-Cloud-Diensten verarbeitet, muss damit rechnen, dass die Grundlage dafür binnen Monaten wegfallen kann. Für Kanzleien, Steuerberater, Ärzte und Kommunen ist das ein handfestes Risiko.
2. NIS-2 ist scharf, KRITIS 2 kommt. Die NIS-2-Richtlinie der EU ist seit 2024 verpflichtend umgesetzt — und trifft mit den zugehörigen deutschen Gesetzen deutlich mehr Unternehmen als früher: mittelständische Betreiber wesentlicher Dienste, kommunale Versorger, IT-Dienstleister für kritische Sektoren. Die Anforderungen an Backup, Netzwerksegmentierung, Vorfall-Meldepflichten und Lieferketten-Sicherheit sind messbar strenger geworden. Wer heute noch ohne strukturiertes Sicherheitskonzept fährt, kommt bei einer Prüfung schnell in Erklärungsnot.
3. Bund und Länder investieren aktiv in Open-Source-Alternativen. Und hier passiert 2025/2026 in Schleswig-Holstein Bemerkenswertes: Die Landesregierung hat im Oktober 2025 die Förderung von 17 Open-Source-Projekten für die digitale Souveränität im Land bekanntgegeben — rund 3 Millionen Euro, verteilt auf konkrete Bausteine, die öffentliche Verwaltung und gemeinnützige Träger einsetzen können. Auf Bundesebene läuft openDesk — die Deutsche Verwaltungscloud — die als vollwertige Alternative zu Microsoft 365 gedacht ist. Der politische Wille ist da, das Geld auch.
Was das für Unternehmen und Kommunen konkret heißt
Digitale Souveränität ist kein Alles-oder-Nichts. Es geht darum, an den richtigen Stellen Alternativen zu haben — und beim Aufbau neuer Systeme bewusst souveräne Bausteine einzusetzen.
Der Arbeitsplatz. Ersetzt der offene Standard Microsoft nicht 1:1 — aber openDesk und Nextcloud Enterprise decken für viele Behörden und KMU das Wesentliche ab: E-Mail, Kalender, Videokonferenzen, Dokumente, Zusammenarbeit. Wer neu aufsetzt oder migriert, sollte prüfen, ob eine gemischte Umgebung (souveräne Basis plus Spezialtools für Nischen-Anforderungen) nicht mittelfristig günstiger ist.
Die Daten. Wo liegen sie? Wer bei einer US-Cloud gehostet ist, steht spätestens beim nächsten Data-Privacy-Framework-Urteil vor der Aufgabe, Datenexporte rechtssicher zu regeln — oder auf ein deutsches Rechenzentrum umzuziehen. Regionale Rechenzentren wie das der Stadtwerke Lübeck bieten ISO 27001, 100 % Ökostrom und einen realen Ansprechpartner in der Region.
Die Fachanwendungen. DATEV liegt bereits in Deutschland — hier ist das Problem klein. Bei Praxis-, Kanzlei- und ERP-Systemen lohnt sich ein Blick, wo die Server tatsächlich stehen und welche Sub-Dienstleister eingebunden sind. Genau das ist die Recherche, die eine Verarbeitungsverzeichnis-Aktualisierung inzwischen mit sich bringt.
Warum «jetzt» besser ist als «irgendwann»
Souveränitäts-Projekte sind Migrations-Projekte. Migrations-Projekte kosten Zeit, brauchen Schulung und binden Personal. Wer erst dann startet, wenn das nächste Datentransfer-Abkommen kippt oder eine Aufsichtsbehörde nachfragt, arbeitet unter Zeitdruck — schlechter Zeitpunkt für saubere Entscheidungen.
Wer sich jetzt, in der aktuell etwas ruhigeren Rechtslage, mit einer Ist-Aufnahme beschäftigt und Optionen für eine gestufte Migration prüft, hat den Kopf frei — und kann Fördertöpfe wie die aus der SH-Landesregierung tatsächlich mit einbeziehen.
Wie wir bei Kontor unterstützen
Wir betreuen seit über 20 Jahren KMU, Kanzleien, Praxen und Kommunen in Schleswig-Holstein und Norddeutschland — mit einem klaren Fokus auf regionale Betreuung und Open-Source-Bausteine, wo das sinnvoll ist. Konkret:
»» Bestandsaufnahme Ihrer IT-Landschaft — wo liegen welche Daten, welche Abhängigkeiten bestehen
»» Beratung zu digital souveränem Arbeitsplatz mit openDesk oder Nextcloud Enterprise
»» Hosting Ihrer Systeme im Rechenzentrum Lübeck der Stadtwerke — ISO 27001, regional, DSGVO-konform
»» Migration von Microsoft 365 auf souveräne Alternativen — mit Schulungskonzept
»» Cyber-Security-Check nach DIN SPEC 27076 als Basis für NIS-2- und BSI-Grundschutz-Themen
Digitale Souveränität ist kein Slogan. Sie ist eine Frage der Handlungsfähigkeit — und die entscheidet sich in den nächsten 12 bis 24 Monaten. Sprechen Sie uns an, wenn Sie einen ersten Blick darauf werfen wollen, wie souverän Ihre IT heute schon ist.